Prüfungen und Prüfverfahren nach IEC-/EN-Standard

Die erwähnten Prüfungen beziehen sich auf die Normen

  • DIN EN 60670-1 (VDE 0606-1)
  • DIN EN 61439-1 (VDE 0660-600-1)
  • DIN EN 62208 (VDE 0660-511)

mit allen dazugehörigen Ergänzungen und Erweiterungen.

DIN EN 60670-1, VDE 0606-1

Diese Norm gilt für Dosen, Gehäuse und Teile von Gehäusen für elektrische Installationsgeräte mit einer Bemessungsspannung nicht über 1000 VAC und

1500 VDC, die für den Hausgebrauch und ähnliche ortsfeste elektrische Installation in Innenräumen oder im Freien bestimmt sind.
(DIN EN 60670-1, 1 Anwendungsbereich)

DIN EN 61439-1, VDE 0660-600-1

Diese Norm legt Begriffe fest und gibt die Betriebsbedingungen, Bauanforderungen, technischen Eigenschaften und Anforderungen für Nachweise für Niederspannungs-Schaltgerätekombinationen an, deren Bemessungsspannung 1000 VAC und 1500 VDC nicht überschreiten und die ortsfest oder ortsveränderlich sind.
(DIN EN 61439-1, 1 Anwendungsbereich)

DIN EN 62208, VDE 0660-511

Diese Norm gilt für Leergehäuse, wie sie vom Hersteller geliefert werden, bevor Betriebsmittel durch den Hersteller der Schaltgerätekombination eingebaut werden.
(DIN EN 62208, 1 Anwendungsbereich)

Hinweis: 

Unser hauseigenes Prüflabor ist zertifiziert nach: 

  • UL (Underwriters Laboratories)
  • DIN EN 60670-1, 60670-22, 60529

Die nachfolgend beschriebenen Prüfungen werden hier durchgeführt, dokumentiert, analysiert und bewertet.

Nachweis des mechanischen Aufbaus

DIN EN 60670-1

Deckel, Abdeckungen oder Abdeckungsplatten oder Teile davon

DIN EN 61439-1

Bauartnachweis von Schaltgerätekombinationen

DIN EN 62208

Typenprüfungen von Leergehäusen

Nachweis der Nichtentfernbarkeit von Deckeln DIN EN 60670-1:

Die Kräfte werden für eine Minute, senkrecht zu der Befestigungsfläche, in der Mitte des Deckels allmählich ansteigend angewendet.

Nachweis der Entfernbarkeit von Deckeln DIN EN 60670-1:

Die Kräfte werden zehnmal, allmählich ansteigend, auf die Vorrichtung zum Entfernen des Deckels angewendet. Der Prüfling darf anschließend keine Beschädigungen aufweisen.

Nachweis der Beständigkeit gegen Eindringen von festen Fremdkörpern

DIN EN 60670-1: DIN EN 62208, 9.8.1.2

Die Prüflinge werden wie im bestimmungsgemäßen Gebrauch aufgebaut und die eventuell vorhandenen Kabeldurchführungen mit Leitungen versehen. Der Schutz ist erfüllt, wenn die Prüfsonde nicht in den Prüfling eindringen kann (IP4X). Bei Schutzgrad IP5X darf die gesamte innere Oberfläche nicht mit von außen einwirkendem Staub bedeckt sein. Für den Schutzgrad IP6X darf kein Staub in den Prüfling dringen (siehe IP-Code Seite 431 ff.).

Nachweis der Beständigkeit gegen schädliches Eindringen von Wasser

DIN EN 60670-1: DIN EN 61439-1: DIN EN 62208, 9.8.2

Die Prüflinge werden wie im bestimmungsgemäßen Gebrauch aufgebaut und die eventuell vorhandenen Kabeldurchführungen mit Leitungen versehen. Anschließend werden die Prüflinge mit ihrer Schutzart (siehe IP-Code Seite 431 ff.) entsprechenden Wassermengen beaufschlagt. Das Eindringen von Wasser wird detektiert, indem der Innenraum des Prüflings mit saugfähigem Papier ausgelegt wird. Das Indikatorpapier wird unmittelbar nach der Prüfung begutachtet.

Nachweis der Festigkeit von Werkstoffen und Teilen

DIN EN 60670-1:

Mechanische Festigkeit von Dosen und Gehäusen

DIN EN 61439-1:

Korrosionsbeständigkeit von Schaltgerätekombinationen

DIN EN 62208, 9.13

Korrosionsbeständigkeit von Leergehäusen

Nachweis der Wärmebeständigkeit

DIN EN 60670-1:

Auf die Oberfläche des Gehäuses bzw. der Dose wird eine Stahlkugel mit 5 mm Durchmesser und einer Kraft von 20 ± 2 N gedrückt. Diese Anordnung wird in einem Wärmeschrank errichtet und dort bei einer Temperatur von 125 ± 2 °C für eine Stunde belassen. Nach der abgelaufenen Zeit muss der Prüfling innerhalb von 10 Sekunden durch Eintauchen in ein Wasserbad auf Raumtemperatur abgekühlt werden.

Der Nachweis ist erbracht, wenn der durch die Kugel hinterlassene Abdruckdurchmesser nicht größer als 2 mm ist.

Nachweis der Beständigkeit von Kunststoffen gegen übermäßige Wärme und Feuer

DIN EN 60670-1: 
DIN EN 61439-1:
DIN EN 62208:

Die Beständigkeit wird anhand der Glühdrahtprüfung ermittelt. Der Prüfling wird für 

30 Sekunden mit dem heißen Glühdraht in Berührung gebracht. Die Temperatur beträgt 

  • 960 ± 15 °C für Teile, die stromführende Teile halten,
  • 850 ± 15 °C für Hohlwandteile,
  • 650 ± 15 °C für alle Anderen.

Die Prüfung ist bestanden, wenn das Gehäuse nicht brennt bzw. glüht oder die Flammen bzw. das Glühen 30 Sekunden nach dem Entfernen des Glühdrahtes selbstständig erlöschen. Das unter der Prüfanordnung ausgebreitete Seidenpapier darf durch herabfallende Teile nicht entzündet werden.

Nachweis der elektrotechnischen Beständigkeit

DIN EN 60670-1:

Isolationswiderstand und Spannungsfestigkeit von Dosen und Gehäusen

DIN EN 61439-1:

Schutz gegen elektrischen Schlag und Durchgängigkeit von Schutzleitern 

von Schaltgerätekombinationen

DIN EN 62208:

Nachweis der Isolationsfestigkeit von Leergehäusen

Nachweis des Schutzes gegen elektrischen Schlag

DIN EN 61439-1:

DIN EN 62208:

Durch die Prüfung muss nachgewiesen werden, dass alle leitenden Teile des Gerätes wirksam mit dem externen Schutzleiter verbunden sind. Hierzu muss ein Widerstandsmessgerät verwendet werden, das mindestens 10 A liefern kann. Die Prüfung muss einen Widerstand der Stromkreise von 0,1 ergeben.

Nachweis der Spannungsfestigkeit

DIN EN 60670-1:

Die Prüfspannung wird wie beim Nachweis des Isolationswiderstandes zwischen zwei 

Metallfolien angelegt. Die Prüfung startet mit etwa der Hälfte der angegebenen 

Spannung und wird dann zügig zu voller Spannung erhöht. Die Prüfung ist bestanden, 

wenn kein Durch- oder Überschlag erfolgt.

 

Bemessungsisolationsspannung [V]Prüfspannung [V]Prüfspannung Schutzklasse II [V]
13012501875
> 130 und ≤ 25020003000
> 250 und ≤ 45025003750
> 450 und ≤ 75030004500
> 75035005250

 

DIN EN 61439-1:

Die Prüfspannung wird angelegt

  • zwischen den verbundenen Polen des Hauptstromkreises und der geerdeten Umhüllung,
  • zwischen den nicht verbundenen Polen des Hauptstromkreises,
  • zwischen dem Steuer- und Hilfsstromkreis und dem Hauptstromkreis sowie der geerdeten Umhüllung.

Zur Erfüllung des Nachweises darf das Überstromrelais nicht auslösen und es darf kein Durchschlag auftreten.

Bemessungsisolationsspannung (Leiter gegen Leiter) [V]Isolationsprüfspannung (AC) [V]Isolationsprüfspannung (DC) [V]
Ui ≤ 601001415
60 < Ui ≤ 3001502120
300 < Ui ≤ 69018902670
690 < Ui ≤ 80020001830
800 < Ui ≤ 100022003110
1000 < Ui ≤ 1500---3820
Bemessungsisolationsspannung (Leiter gegen Leiter) [V]Isolationsprüfspannung (AC) [V]
Ui ≤ 12250
12 < Ui ≤ 60500
60 < Ui2*Ui +1000
min. 1500

Nachweis der Luftstrecken, Kriechstrecken und Abstände durch Vergussmasse

DIN EN 60670-22:

DIN EN 61439-1:

Die Abstände der Strecken dürfen nicht kleiner sein als in Tabelle 21 beschrieben und werden zwischen spannungsführenden Teilen unterschiedlicher Polarität, spannungsführenden Teilen und Metallkappen oder Dosen ohne Isolierung und spannungsführenden Teilen und der Sockelmontagefläche gemessen.

Bemessungsisolationsspannung [V]

Kriechstrecken, Luftstrecken und Abstände durch Vergussmasse [mm]

 ≤1301,5

> 130 und ≤ 250

3

> 250 und ≤ 450

4

> 450 und ≤ 7506
>7508

Die Luft- und Kriechstrecken werden wie folgt bewertet:

Die Strecke x muss abhängig vom Verschmutzungsgrad zwischen 0,25 mm und 2,5 mm betragen (siehe Tabelle 22), sonst darf sie nicht zur Verlängerung der Kriechstrecke herangezogen werden. In diesem Fall würde sich, bezogen auf das Beispiel im Bild oben, eine Kriechstrecke ergeben, die gleich der Luftstrecke ist (DIN EN 61439-1, Anhang F).

 

Verschmutzungsgrad

Kleinste Breite x von Nuten [mm]

1

0,25

2

1

3

1,5

4

2,5